Holstenhof, Hamburg
Umbau und Aufstockung eines denkmalgeschützten Kontorhauses
Dieses Kontorhaus aus den Jahren 1900/1901 ist eines der eigenwilligsten Kontorhäuser jener Zeit.
Es ist Ikone, Wahrzeichen, Tourismusmagnet: das Kontorhaus. In Hamburg hat es eine über 130 Jahre alte Bautradition und steht für den Wandel der Hansestadt »von einer Stadt mit durchmischten Wohn-, Kaufmanns- und Arbeitsquartieren zu einer modernen City mit Gewerbe, Logistik und Dienstleistungszentren«. Das Kontorhausviertel, das in den 1920er – bis 1930er-Jahren unter der Stadtplanung des damaligen Oberbaudirektors Fritz Schumacher entstand, ist in Kombination mit der angrenzenden Speicherstadt weltweit einzigartig und seit 2015 Weltkulturerbe
Kontorhäuser gibt es bereits seit 1886 im Stadtzentrum. Eines der frühen Bauten ist der Holstenhof des Hamburger Architekten Albert Lindhorst am Rande des historischen Gängeviertels.Dieses Kontorhaus aus den Jahren 1900/1901 ist »eines der eigenwilligsten Kontorhäuser jener Zeit« und unterscheidet sich deutlich von den schlichter und funktionaler anmutenden Klinkerarchitekturen des später erbauten Kontorhausviertels.
Es wirkt durch den Mix verschiedener Baustile von Barock bis Jugendstil eher opulent wie herrschaftliche Wohnhäuser und wurde mit »baukünstlerischer Experimentierfreude« entworfen. Nichtsdestotrotz ist auch der »Mut des Architekten zur Modernität« beispielsweise an der Stahlkonstruktion und den übergroßen Fensterfronten in den unteren zwei Geschossen erkennbar.
Ausgangspunkt der Bauaufgabe war ein gewonnener Wettbewerb zur Sanierung des Holstenhofs in der Kaiser-Wilhelm-Straße. Zum Planungsbeginn 2012 war das Kontorhaus über Jahrzehnte bereits mehrfach umgebaut worden und die historische Substanz des Gebäudes war entsprechend stark angegriffen und ungepflegt. Es galt, diese zu erhalten und zu schützen, das ursprüngliche Erscheinungsbild bestmöglich wiederherzustellen und das Kontor ohne zu historisieren auch mit modernen Mitteln im denkmalerischen Sinne angemessen umzuplanen.
In enger Abstimmung mit dem Amt für Denkmalschutz wurde eine Planung erarbeitet, die der historischen Substanz gerecht wird und den Holstenhof für eine zeitgemäße Nutzung fit macht. Die Fassade wurde behutsam saniert. Die vorhandenen Kunststofffenster wurden entfernt und durch filigrane Stahlfenster ersetzt. Somit konnte die ursprüngliche Anmutung der Fassade in Farbe und Fensterteilung weitestgehend wiederhergestellt werden. Das komplette Dach wurde bis auf das 3.OG abgetragen und neu aufgebaut.
Beim Wiederaufbau wurden zusätzliche, loftartige Büroflächen geschaffen. Im Zuge der Sanierung wurden auch die beiden fehlenden Kuppeln über den vier Risaliten wieder errichtet. Damit konnte der ursprüngliche Rhythmus der Fassade mit ihren vier Türmen in den Originalzustand gebracht wer den. Ein ausgefeiltes Lichtdesign hebt die Besonderheiten des Kontorhauses – auch in den Abendstunden – heute elegant hervor
Auch im Inneren wurden die noch vorhandenen historischen Materialien sorgsam saniert. Insbesondere die floralen Fliesen im Eingang und in den Treppenhäusern sowie das aufwendige Treppengeländer im Haupttreppenhaus sind in Szene gesetzt und akzentuiert beleuchtet. Alle modernen Einbauten sind deutlich erkennbar, ordnen sich aber dem Gestaltungskonzept des Originals unter. Historisch überliefert oder modern interpretiert: Alle Maßnahmen sind bewusst ablesbar und Ausdruck des behutsamen Umgangs mit der Historie und der Haltung zum Bauen im Bestand. Ein historisches Kontorhaus in neuem Glanz: Gelungen!
Veröffentlichung: Welterbe Kontorhäuser – Hamburgs architektonische Perlen, Koehler Verlag
Fotos: René Sievert
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